„Marx ist schick. Ob an der Uni oder im Lesekreis: Marx ist wieder in Mode“ titelte die Jungle World im Mai. Dabei ist sicher: in der ‚Linken’ waren dessen Schriften seit Erscheinen nie wirklich „out“. Fast jede sich dort verortende theoretische Strömung hat Verwendung für Begriffe wie “Wert”, “Geldform”, “Ware”, “Zirkulation”, “abstrakte Arbeit”, “Tauschwert” und – selbstverständlich – “Kapital” und knüpft sie an die marxsche Theoriebildung an. Doch so wie die Aufzählung im letzten Satz zusammengewürfelt ist, gehen die marxschen Begriffe häufig unreflektiert in einen typisch ‚linken’ Sprachgebrauch ein, sind viel beschworen, häufig dahergeplappert und erst recht wenig als das verstanden, als was Marx sie intendierte. Das treibt mit unter komische oder gar gefährliche Blüten, wie etwa verkürzte Kapitalismuskritiken immer wieder beweisen. Zumindest einen Überblick zu behalten oder noch besser zu dem vorzudringen, was denn nun als (die) “marxsche Kapitalismuskritik” gelten könnte, erscheint angesichts dessen fast unmöglich. Dabei ist es gerade aus gesellschaftskritischer Sicht notwendig, sich mit den Schriften von Karl Marx auseinander zu setzen, denn sie ermöglichen ein grundlegendes Verständnis der bürgerlichen Gesellschaft.

Im Vortrag und einer anschließenden Diskussion soll daher vermittelt werden, wie die zentralen marxschen Begriffe im Kapital, das als Marx’ Hauptwerk gelten kann, entfaltet werden, zum Stehen kommen und was sie meinen. Außerdem wird es darum gehen, einen Ausblick auf jene im Kapital angerissenen und an anderer Stelle vertieften Themen zu geben, welche ebenfalls quasi allgegenwärtig mit Rekurs auf Marx herumgereicht werden – “Basis/Überbau”, “Produktivkräfte/Produktionsverhältnisse”, “Klassenkampf”, “Imperialismus”, “(Historischer) Materialismus”, um nur einige zu nennen. Nicht zuletzt geht die Veranstaltung der Frage nach der Aktualität all dieser Begriffe nach – sind sie (noch) dazu geeignet, „diese versteinerten Verhältnisse zum Tanzen zu zwingen“?