Die Ausbreitung des Kapitalismus über den gesamten Globus ist untrennbar mit der kolonialen Durchdringung der Welt verbunden. Der europäische Kolonialismus und seine Wirtschaft fußten dabei über Jahrhunderte auf der Sklaverei. Die Versklavungen schnellten auf ein neues, zuvor nicht bekanntes Niveau. Marx sah das zeitgleiche, langsame Verschwinden der Sklaverei in Europa und seinem entgegengesetzten, rasanten Wachstum in der “Neuen Welt” als Anomalie der kapitalistischen Entfaltung an. Erst Jahrhunderte später brachten sich verändernde Produktionsbedingungen im Zusammenspiel mit einem gestiegenen Unrechtsbewusstsein über die Sklaverei diese zumindest offiziell wieder zu Fall. Spätestens jetzt erlebte der arabische Sklavenhandel seine zweite Blüte, der unter den Augen der Europäer weiterhin prächtig gedieh. Dabei bleibt der Sklavenexport aus Afrika in den arabischen und asiatischen Raum bis heute weitestgehend unberücksichtigt, obwohl er den europäischen, transatlantischen Sklavenhandel in Dauer und Ausmaß übersteigt . Auch wären die Verschiffungen in die beiden amerikanischen Kontinente ohne die arabischen, berbischen und innerafrikanischen Sklavenhandelsnetzwerke nicht denkbar gewesen, zumal die europäischen Großmächte den afrikanischen Kontinent erst spät kolonisierten.

Erst in den letzten Jahren hat besonders unter afrikanischen Intellektuellen eine intensive Debatte über die Bedeutung des arabischen Sklavenhandels eingesetzt. Dabei ist besonders interessant, wie weit vor dem Aufkommen von rassistischen Einteilungen in Europa islamische Rechtsgelehrte die Versklavung von Schwarzen mit ihrer angeblichen Minderwertigkeit absicherten. In den arabischen Gesellschaft wird die Versklavung von Millionen SchwarzafrikanerInnen dagegen bis heute geleugnet, verharmlost oder auch gerechtfertigt. Gleichzeitig verknüpfen in Europa einige der DebattenteilnehmerInnen die Geschichte des arabischen Sklavenhandels mit der aktuellen Islamdebatte, um daraus angeblich allgemeingültige Aussagen über den Charakter des Islam ziehen zu können.

Im Vortrag sollen sowohl die Grundzüge dieser Debatte und des arabischen Sklavenhandels aufgezeigt, als auch die Geschichte der vermeintlichen Anomalie der Sklaverei in der Entfaltung des Kapitalismus dargestellt werden.

Simon Brüggemann studiert Geschichte und veröffentliche zuletzt einen Artikel zur Debatte um den arabischen Sklavenhandel in der iz3w