Angesichts der sozialen Angriffe im Zeichen der Krise neigt ein Teil der Linken zu einer reflexartigen Verteidigung des Sozialstaats und verklärt ihn als eine „Errungenschaft“ der Arbeiterbewegung. Der Workshop wird sich kritisch mit dieser Mystifizierung des Sozialstaats auseinandersetzen. Sowohl historisch, vor allem am Beispiel Deutschlands, als auch theoretisch unter Bezug auf Marx’ Kritik der politischen Ökonomie soll herausgearbeitet werden, wie der Sozialstaat als disziplinierende und regulierende Instanz in Reaktion auf die neuen Klassenverhältnisse und revolutionären Gefahren der kapitalistischen Gesellschaft entstand. Dabei wird es auch um die enge Verknüpfung von Sozialstaat und modernem Krieg gehen. An einigen Beispielen werden wir beleuchten, wie der Sozialstaat selber prägend auf die Klassenverhältnisse, das moderne Geschlechterverhältnis und den allgemeinen Zwang zur lebenslangen Arbeit wirkt. Abschließend werden wir uns mit dem aktuellen Umbau des Sozialstaats – vor allem durch die Hartz-IV-Reformen – und deren Bedeutung für aktuelle soziale Auseinandersetzung beschäftigten.

In vier, jeweils etwa anderhalbstündigen Blöcken, sollen folgende Themen behandelt werden:

1) Historischer Ausgangspunkt des Sozialstaats und erste Anläufe im 19. Jahrhundert

2) Die Fetischformen des Kapitals als Mystifzierung des Klassenverhältnisses und der Reproduktion des Kapitalverhältnisses (Bedeutung der Sozialversicherung)

3) Weltkrieg und Faschismus – die „Modernisierung“ des Sozialstaats

4) Von der Weltwirtschaftskrise 1974/75 bis heute: Prekarisierung und Umbau des Sozialstaats

Jeder Block wird durch eine etwa halbstündige Einleitung, z.T. mit audiovisuellen Auflockerungen, eröffnet und bietet dann Gelegenheit zur ausführlichen Diskussion.

Einige kürzere einführende Texte (mit Verweisen auf weitere Literatur), deren Lektüre aber keine Voraussetzung für die Teilnahme an dem Workshop ist:
- Kritik der Sozialstaatsillusion
- Mit dem Dreirad durch den Sozialstaat
- Sozialstaat, Etappen und Tendenzen seiner Entwicklung